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Bonner Ressourcen Modell – Anne M. Lang

Wie es entstand:
Dieses Modell entwickelte sich seit 2003 fortlaufend in der Lehre der von mir entwickelten und zunächst zusammen mit der Deutschen Psychologen Akademie (DPA) organisierten Weiterbildung „Ressourcen erzeugende Veränderungsarbeit/Beratung“.
Diese Weiterbildung entstand unmittelbar aus einer seit 1985 sich konstruktivistisch verstehenden Berufspraxis. Sie gründet auf fundierter Anwendung einer

  • Systemik 2. Ordnung,
  • dem Vorgehen von Milton Erickson und
  • dem de Shazers, die sie in 3 Vorgehenssträngen zusammenfasst.

Sie war eine Antwort auf die Erfahrungen mit der Arbeit in den beiden Richtlinienverfahren VT und TP und der Gesprächspsychotherapie nach C. Rogers.

Das Bonner Ressourcen Modell entwickelte sich dann parallel zur Lehrpraxis dieser jährlich stattfindenden Reihe aus 6 kompakten Modulen, Projektarbeiten und Supervisionen. Es entwickelte sich im Austausch mit den vielen Berufskollegen der Weiterbildung und der Herausforderung der Didaktik einer Lehre derselben.
Mit dem Buch: „Konstruktivistische Psychotherapie -Prozess-hypo-systemisch- das Bonner Ressourcen Modell“ wurde es im März 2022 bei Elsevier veröffentlicht.

Was es beinhaltet:
Das Modell kombiniert die 3 konstruktivistischen Denk- und Vorgehensweisen einer systemischen, einer ericksonschen-hypotherapeutischen und einer lösungsfokussierenden Arbeit nach de Shazer. Speziell diese Verfahren teilen den konstruktivistischen Hintergrund. Dieser geht davon aus, dass wir die noch so als fest erlebte komplexe Wirklichkeit, die uns im Leben begegnet, mit unseren Möglichkeiten mehr beeinflussen können als es statische Betrachtung, Einordnung, Behandlung annimmt. Es ist eine Gegenantwort auf die pathologieorientierte Arbeit mit psychischen Krankheitsdiagnosen, auf eine zu sehr von Biographie determinierten Arbeit und auf eine von der Richtlinie zu sehr geprägten Psychotherapieausübung, die Entwicklungspotentiale implizit unterdrückt. Es ist eine zeitgemäße psychologische und systemische Antwort, die die schon vorhandenen wissenschaftlichen Verfahren ernst nimmt, und eine Psychologie, die wieder mehr Prozessentwicklung und Resilienz unterstützt.

Das Bonner Ressourcen Modell mit seinen 3 prozessbegleitenden Dimensionen oder Arbeitsebenen.

1. Die Prozessausrichtung: Diese wird vor allem von De Shazers Interventionen einer konsequenten Ausrichtung des Prozessweges gestärkt. Auch hier sind Ziel- und Auftragsklärung, die wir im Systemischen als Hauptinterventionen kennen und die immer wieder neu im Prozess die Richtung ausrichten, prägend. Hierhin gehören u.a. die Konkretisierung, die aktuelle Prozessbetrachtung, das Einbeziehen der außertherapeutischen Events, die Skalierung des Weges, der Stärkung der Zusatzfaktoren für Entwicklung wie  Motivation und Zuversicht.

2. Die individuelle Schleifenarbeit: Diese Dimension macht die Entwicklung zu einer individuellen, die geprägt wird von den eigenen Ressourcen und heraus geforderten Selbstbestimmung des Klienten. Vor allem ericksonsche, menschenfreundliche innovative Kreativität, ein personales, das Leben mit noch so schwierigen Vorkommnissen normalisierendes Vorgehen sind hier im Fokus. Sein Ressourcenblick  mit der impliziten Unterstellung derselben für jede Person, das Herausarbeiten der individuellen Besonderheiten – oder besser: dass der Klient veranlasst wird, seine Besonderheit einzusetzen – und die ericksonsche Utilisation sind starke suggestive Angebote. Wie die Interaktion zwischen Therapeut/Coach und Patient/Klient genutzt wird, wie flexibel bezogen der Therapeut/Coach lernen kann auf jeden Klienten zu reagieren, zeigt diese Arbeitsdimension mit ihren vielfältigen Vorgehensweisen. Analoge Arbeit mit Bildern, Metaphern, Geschichten, die Arbeit mit den hypnotischen Sprachformen, Suggestionen, Glaubensannahmen, Teilearbeit gehören in diese, die Prozessarbeit einmalig individuell machende Dimension. Hierher gehören die Beachtung der „Zustände“ wie Problemzustände, aber auch Ausnahmezustände, die Klient*innen mitbringen und die Arbeit in guten Zuständen, Bewältigungstrancen. Trancearbeit in Form der Selbsthypnose/des Mentalen Trainings/der Induktion  können hier zur Intensivierung der Zielausrichtung, die durch förderliche Konversation und Interview entsteht, eingesetzt werden. Jede Arbeit, die ungünstige Implikationen hat oder die Problemtrance vertieft, wird unterlassen. Erickson, der sagte: “Nichts reintun, sondern heben”, wird hier lebendig.

3. Die Metaarbeit in der Draufsicht: Wenn alle 3 Dimensionen den systemischen Geist auch schon berühren, ist diese 3. Dimension für mich darin besonders systemisch, da hier alle Fokusänderungen berücksichtigt werden: Der Fokus kann verkleinert oder vergrößert werden. Er kann personal oder interaktiv mit mehreren Bezugspersonen oder mit dem Helfernetzwerk betrachtet werden. Der Fokus kann beinhalten, den Rahmen zu verändern und anders zu konnotieren. Man kann mit dem Klienten aus unterschiedlicher Perspektive auf die Stunde, ihren Prozess und auf das schauen, was der Klient daraus mitnehmen will. Man kann auf das System, dem man als Klient zugehört oder auf das System, was durch die Problematik entsteht, schauen. Man kann das Problem/das Thema als Ist- oder Wunsch-Situation schon als System auf den Tisch legen und daraus Ableitungen sehen und entwickeln. Man kann auf das zukünftige System, das sich ergeben wird, schauen und schon in die Vorstellung hineingehen, wie es sein wird. Man kann auch auf das Therapiesystem schauen. Hierhin gehört also die Arbeit mit einer Wahrnehmungsorganisation der Dissoziation und Assoziation, der Externalisierung und Internalisierung, die Arbeit mit Bewusstseinszuständen, der Sprachwirkung, der Netzwirkung, die Arbeit mit dem Aufmerksamkeitsfokus und der von Ressourcenerleben. Das wird natürlich auch schon in den anderen Dimensionen praktiziert und hier pointiert beachtet.

Die 3 Dimensionen- Ihre Fundierung und ihre starke Wirkung

Alle 3 Dimensionen beinhalten durchaus also auch gleiche Interventionen, bilden aber verstärkt ihre Schwerpunkte aus, die besonders durch sie verdeutlicht werden können. Zum mitlaufenden Rahmen eines Veränderungsprozess gehören also alle 3 Dimensionen mit ihren Schwerpunktstärken. Wenn der Prozess hakt, dann wäre zu fragen, welche Dimension wieder mehr einzubeziehen ist. Die Arbeitsdimensionen stehen nicht hintereinander oder nebeneinander, sondern jede Arbeit im 2. und 3.  Arbeitsbereich wird immer in den 1. der Prozessausrichtung einbezogen, um die Ausrichtung zu unterstützen, vergleichbar einem Zopf.

Es gehört aber auch dazu, all das zu unterlassen was eine solche suggestiv nützliche Hilfe beeinträchtigt wie z.B. das übliche assoziative Problemtrance-Spiegeln, unnötiges Kommentieren, Gesprächsweisen, die nur dem Therapeuten dienen, aber den Klienten in seiner Ausrichtungs-Zentrierung ablenken bzw. in der Problemzentrierung halten usw. Wenn wir nach der Vorstellung von Selbstorganisation arbeiten, dann ist “Verstehen der vorgebrachten Geschichten” nicht mehr das Hauptinstrument der Veränderungsarbeit, sondern das Anstoßen der inneren Selbstorganisation des Klienten, das Befähigen zum Einordnen und Vorstellen des Gewünschten, die Herstellung von Selbstwirksamkeit. Das Einbringen des Therapeuten kann sogar den Klienten von sich selbst wegbringen, was zu vermeiden ist. Von Beginn an wird der Klient/Patient als fähig für Möglichkeiten behandelt, auch wenn er selbst noch nicht weiß, wie er mit seiner Situation umgehen kann und will. Er wird  in seiner schwierigen Lage respektiert und gleichzeitig wird implizit verdeutlicht, dass er Wege des Umgehens im Prozess finden kann und wird. Die Auftragsklärung, also das, was den Patienten überhaupt in den Kontakt mit dem Veränderungskontext bringt, ist ein wichtiger Anknüpfungspunkt. Der Veränderungskontext und seine Rahmenbedingungen sind auch genau in der Auftragslage zu klären.

Das Vorgehen fließt in alle AML Seminare ein. Es wird besonders gelehrt in der Reihe: “Ressourcenerzeugende Veränderungsarbeit”. Es gilt modifiziert für alle Kontexte: also Psychotherapie, Beratung, Coaching. Es fließt in jede Arbeit hier in den AML Instituten mit ein.

Das Bonner Ressourcen Modell als Modell der eigenen Supervision, Reflexion und Vorbereitung.

Wenn der Prozess im Coaching oder in der Psychotherapie stockt, ist es hilfreich aus den 3 Dimensionen Impulse zur weiteren Rahmung des Prozesses erhalten. Das Bonner Ressourcen Modell dient dazu, zu reflektieren „Was wir machen, wenn wir Therapie machen“?

Z.B. aus der Prozessdimension:

  • Wie ist die Ausrichtung in den Prozess nach vorne veranlasst?
  • Wo steht der Klient im Prozess?
  • Was hat er schon geändert bzw. entwickelt?
  • Welche Fähigkeiten hat er dazu, kann er dazu entwickeln?

z.B. aus der Schleifendimension:

  • Was ist die Besonderheit dieses Klienten?
  • Was ist das Besondere in der Interaktion mit mir?
  • Was sind seine Bilder, Metaphern?
  • Wie ist seine Sprache und wie kann die erweitert werden? Wie hypnosuggestiv genutzt werden?
  • Ist es sinnvoller dissoziiert oder assoziiert zu arbeiten im momentanen Prozess?
  • In welchem Zustand hält sich der Klient auf? Wie erweitere ich den?
  • In welchen Zuständen hält sich die Therapie auf?

z.B. in der Metadimension:

  • Welche privaten, persönlichen, professionellen Systeme sind beteiligt an der Erzeugung der Phänomene?
  • Wie das Beratungs-/Behandlungssystem?
  • Wie lasse ich den Klienten seine Situation veranschaulichen und selbst draufgucken?
  • Was ist der (dargestellte) Ist-Bereich und in welchem gewünschten (dargestellten) Zukunfts- Bereich möchte der Klient kommen?
  • Welche Zirkel, Muster bestehen, die die Phänomene erzeugen und wie werde sie hergestellt?